cieLaroque/helene weinzierl
PLAYTIME

 

Choreografie/Regie: Helene Weinzierl
In Kooperation mit: Yuri Korec, Luan de Lima da Silva, Mami Izumi, Viviana Escalé; 2nd Cast: Kanako Minami
Dramaturgie/Regieassistenz/Texte: Peter Huber
Lichtdesign & Video: Peter Thalhamer
Musikkomposition: Oliver Stotz
Kontakt management.cielaroque@subnet.at

 

In Ordnung, Sie haben sich Zeit genommen, das Stück anzuschauen. Ist das für Sie viel Zeit, oder geht´s gerade so? Unterliegen Sie der Täuschung, dass Sie Zeit hätten? Sie merken die Geschwindigkeit nimmt zu, der Pulsschlag zeigt auf Raserei. Das Tempo der Erdlinge hat sich rapide beschleunigt. Sie bewegen sich immer schneller fort, kommunizieren pausenlos, bewegen riesige Datenberge und lassen sich vom Klingeln ihres Telefons aus dem Schlaf wecken. Alles in Zusammenhang mit Zeit stresst Sie, weil Sie einfach keine haben, unter chronischer Zeitnot leiden? Zeitskorbut sozusagen.
Zugegeben, ja, ja doch wir können es uns das sehr gut vorstellen. Sie sind deswegen sogar oder vielmehr deswegen auch noch in Therapie. Oder kurz davor.
Ein Vorschlag: Wir verkaufen Ihnen 60 Minuten unserer Zeit, Sie kaufen uns und unsere Zeit. Aber Vorsicht, es ist ein Geschäft und wir verstehen unser Geschäft.Wir haben keine Skrupel, Sie abzuzocken.
Allerdings haben Sie einen Zeitjoker auf Ihrer Seite. Für so manche/n von uns kann es ganz, ganz schnell knapp werden und ein jähes Ende droht.

Nachdem der Eröffnungsabend sehr unterschiedliche Performances gezeigt hatte, wusste ich nicht was mich am 7. Oktober in der ARGEkultur bei PLAYTIME erwarten würde. Um 60 Minuten Zeit zu kaufen, mussten wir zu Beginn der Vorstellung unsere Uhren und Handys abgeben. Es folgte eine überaus vergnügliche, kurzweilige Stunde mit großartigem Tanz zum Thema Rastlosigkeit unserer Zeit. Mit soviel Humor serviert erweist sich Gesellschaftskritik als pures Vergnügen. cieLaroque/helene weinzierl beherrschen nicht nur die Verbindung mit Tanz, Text und Schauspiel, sie schaffen es stets, das Publikum gekonnt zu involvieren.

Dorfzeitung, 9.10.2014 Elisabeth Pichler
http://dorfzeitung.com/archives/29129

...können sich die beteiligten Zuschauer in Helene Weinzierls „Play Time“ erstmal in ihren Stuhl auf der Bühne zurücklehnen. Denn performen müssen in dem als Computerspiel aufgebauten Stück zunächst nur die vier Tänzer. Dabei dreht sich alles um das Warten und um die Zwangspause oder auch genussvolle, freie Stunde, die einem das Stück als Zuschauer bereitet. Und so werden jedem erstmal alle Zeitmesser abgenommen, und in Plastiktüten verstaut am Bühnenrand deponiert. Danach reihen sich manchmal unterhaltsam und doch in einer intendierten Beliebigkeit Szenen kurzer Choreografien und Texteinlagen aneinander, die verschiedene Levels eines Computerspiels suggerieren. Die Zeit zerrinnt einem zwischen den Fingern, man ist zum Warten gezwungen und am Nichtstun gehindert. Denn zwischen den Levels klingelt das Telefon und ruft damit die Zuschauer auf, einen der Plätze auf der Bühne einzunehmen. Nur die aktive Teilnahme treibt die Performance voran und endet mit einem Showdown zwischen den vier partizipierenden Zuschauern, die mit Wasserpistole und einer Reise nach Jerusalem um den ersten Platz im Spiel kämpfen.

Tanznetz.de, 17.10.2014, von Miriam Althammer
http://www.tanznetz.de/blog/26660/die-freuden-des-nichts